Der künftige Umgang mit einem problematischen historischen Erbe stand am Montag, den 16.03.2026 im Gemeinderat Herrsching auf der Tagesordnung. Zurückgehend auf einen Antrag der Bürgergemeinschaft Herrsching im Jahr 2022 zur Prüfung belasteter Straßennamen im Gemeindegebiet auf Bezüge zur NS-Vergangenheit war mehrere Jahre lang diskutiert und ermittelt worden.
Die Archivarin Dr. Friederike Hellerer hatte im Auftrag der Gemeinde die Namensgeber der Straßen, die am Montag zur Diskussion standen, umfassend beleuchtet und die Umstände der ursprünglichen Straßenbenennungen soweit möglich rekonstruiert.
Ihre Erkenntnisse wurden im Herbst 2023 auf der Gemeindehomepage öffentlich zugänglich gemacht und alle Bürger:innen Herrschings erhielten Gelegenheit, ihre Meinung zum Umgang mit den fraglichen Straßennamen der Gemeinde mitzuteilen. Seitdem sind den historischen Recherchen auf der Homepage folgende Hinweise vorangestellt, welche seinerzeit mit Bürgermeister und Gemeinderat abgestimmt worden war:
„In unserer Zeit würden Madeleine Ruoff, Alfred Ploetz und Erich Holthaus nicht mit einem Straßennamen geehrt werden. Es darf angenommen werden, dass entscheidende Fakten denjenigen, die für die Straßenbenennungen verantwortlich waren, nicht bekannt waren.”
Im Herbst 2025 entschied sich der Gemeinderat unter Abwägung der historischen Fakten und der Stellungnahmen aus der Bürgerbefragung mehrheitlich dazu, den Verwaltungsprozess zur Namensumbenennung der Erich-Holthaus-Straße und Madeleine-Ruoff-Straße zu starten, und gewährte den Anliegern der Straßen rechtliches Gehör in Form einer nochmaligen Anhörung.
Die finale Beratung und Beschlussfassung im Gemeinderat am vergangenen Montag war mit Spannung erwartet worden und sorgte im Ergebnis bei vielen Menschen verständlicherweise für Empörung und Unverständnis. Denn plötzlich ging es in der Abwägung vorrangig um die geäußerten Bedenken und ablehnenden Haltungen der Straßenanlieger.
Unbeachtet blieben die Stellungnahmen der Bürger:innen aus Herrsching, die sich für eine Umbenennung stark gemacht hatten. Aus dem Fokus verschwand, dass die Straßennamen nicht nur Sache der Anlieger sind, sondern die Allgemeinheit betreffen.
Klar ist: Die Entscheidung am Montag im Gemeinderat stellt eine bestürzende Kehrtwende dar. Denn Bürgermeister und Ratsmitglieder von CSU, FDP und SPD haben – diesmal in Kenntnis aller Umstände – nicht nur für ein Festhalten an den Straßennamen gestimmt, sondern damit auch die Ehrung dieser Personen im Jahr 2026 neu legitimiert und auf diese Weise bekräftigt.
Es ist diese verstörende Tatsache, die uns betroffen macht und ratlos hinterlässt. Die Bürgergemeinschaft Herrsching wird dennoch nicht nachlassen, sich weiterhin geschichtsbewusst in die ortspolitischen Debatten einzubringen.
Der Vorstand der Bürgergemeinschaft Herrsching